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In der Festschrift zum 150-jährigen Bestehen des Peutinger-Gymnasiums Augsburg wurde ein kleiner Beitrag über mich veröffentlicht. Viel Spaß beim durchlesen!

Sarah Ego
Geburtsjahr: 1993
Herkunft: geboren in Augsburg
Religion: Christin
Abiturjahrgang: 2011

 

Sarah, kannst du dich noch an deinen ersten Tag am PG erinnern? Mit welchem Gefühl bist du in die für dich damals neue Schule gekommen?

Ich war total aufgeregt und gespannt auf das, was mich wohl erwarten würde.

Wenn du auf deine Schulzeit am PG zurückblickst, wie würdest du dein Verhältnis zur Schule beschreiben?

Mein Verhältnis zur Schule würde ich als sehr positiv beschreiben. Ich hatte eine tolle, lustige und aufregende zeit am PG.

Was war für dich das schönste oder auch einprägsamste Erlebnis am PG?

Ich hatte tolle Erlebnisse am PG, die durchaus meine Jugend geprägt haben. Allerdings waren es viel zu viele, sodass ich mich nicht entscheiden kann, welches denn am einprägsamsten war.

Du bist Assyrerin, was ich selbst erst nach der Namensänderung des Familiennamens von Akgüc in Ego erfahren habe. Hast du während deiner Schulzeit negative Erfahrungen aufgrund deines Migrationshintergrunds gemacht?

Für mich war der Migrationshintergrund nicht unbedingt ein Thema, ich habe mich davon nicht direkt betroffen gefühlt, da ich ohne Vorurteile von meinen Mitschülern akzeptiert und wie jeder andere ohne Migrationshintergrund behandelt wurde. Zum Thema Migrationshintergrund kann ich in meinem Fall anmerken, dass viele Mitschüler und Lehrer nicht wussten, dass ich Assyrerin bin und was Assyrer überhaupt sind. Aufgrund dessen habe ich das vielen neugierigen Mitschülern oftmals erklärt, mitunter in Referaten im Religions- und Geschichtsunterricht. Über das Interesse meiner Mitschüler und Lehrer habe ich mich stets gefreut. Assyrer sind Christen und kommen aus dem Gebiet Mesopotamien, indem sich der heutige Irak, Iran, Syrien, Libanon und die Türkei befinden. Wir sind ein Volk, das kein eigenes Land besitzt und nun auf der ganzen Welt lebt, aber dennoch die eigene Kultur und Sprache pflegt und weiterhin spricht.
Wir haben deutschlandweit Vereine,iIn Augsburg z.B. den Mesopotamien Verein Augsburg e.V., eine eigene Fußballmannschaft, eigene Fernsehsender (der Sitz befindet sich in Schweden) und eine eigene Kirche in Augsburg (Marienkirche). Dadurch bleiben wir untereinander in Kontakt und können unsere Geschichte, Kultur, Sprache und Schrift bewahren.

Wo leben deine Verwandten?

Meine Verwandten leben in den USA, Schweden, Schweiz, Australien und in unterschiedlichen Städten Deutschlangs.

Seit dem Abitur im Jahre 2011 hat sich viel in deinem Leben getan, nicht nur, dass du ein Studium begonnen hast, du hast dich vor allem auf das Singen konzentriert. Wie bist du zur Musik gekommen?

Schon früh habe ich die Leidenschaft für Musik entdeckt und mit sieben Jahren mit dem Geigenspiel begonnen. Nach sechs Jahren Geigenunterricht begeisterte ich mich für das Singen und wurde mit 15 Jahren Mitglied des Jugendchors der Albert Greiner Sing- und Musikschule Mozartstadt Augsburg.

Wie konntest du dein Talent fördern?

Seit Oktober 2009 erteilt mir die Opernsängerin Kateřina Sokolová-Rauer Gesangsunterricht. Im Konzertchor, den der Direktor der Sing- und Musikschule Wolfgang Reß leitet, singe ich seit 2012 mit. Meine zusätzlichen Gesangserfahrungen konnte ich durch zahlreiche Auftritte mit Chören inner- und außerhalb der Musikschule und als Solistin auf Festen, Veranstaltungen und Hochzeiten mit bekannten Sängern der assyrischen Musik sammeln.

Im Sommer 2012 wurden viele Augsburger auf dich aufmerksam, nachdem du am Projekt „Music fort he One God“ in Istanbul, Völklingen, München und Nürnberg teilgenommen hast. Welche Art von Projekt war das?

Das multinationale Projekt, das von dem türkischen Oudspieler und Komponisten Mehmet C. Yeşilçay geleitet wurde, war ein Musikprojekt, das hochrangige Künstler und Wissenschaftler aus Deutschland, der Türkei und Griechenland zusammenbringt und sowohl von der EU als auch dem türkischen Kulturministerium unterstützt und gefördert wurde.

Welches Ziel verfolgte das Projekt?

Das Projekt vereint islamische, sephardische und christliche Klangwelten mit dem Ziel, Gott zu lobpreisen. Dieser Gott trägt zwar verschiedene Namen, aber dennoch ist es der eine, gemeinsame Gott. Das Konzert sollte das friedliche Miteinander der drei monotheistischen Weltreligionen symbolisieren und ein Aufruf zum Frieden sein.

Wie konnte das musikalisch geschehen?

Dadurch, dass verschiedene Ausprägungen der Lobgesänge Gloria und Amen mit dem griechischen und hebräischen Halleluja, sowie einem Sufi-Ritual gekoppelt wurden, entstanden fließende Übergänge. So konnte man dem Publikum musikalisch sehr gut nahe bringen, dass es nicht auf die Gegensätze zwischen den unterschiedlichen Religionen ankommt. Genau dieser Gedanke lässt mich für das Projekt schwärmen.

Welche Rolle hattest du in diesem Projekt?

Als einziges assyrisches Mitglied dieser Veranstaltung war meine Funktion die Repräsentation des syrisch-orthodoxen Kirchengesangs. Da ich das jüngste Mitglied dieses Musikprojekts war, empfinde ich es noch heute als eine große Ehre und eine einmalige persönliche Erfahrung, dass ich mit professionellen Künstlern aus unterschiedlichen Konfessionen und Glaubensrichtungen zusammenarbeiten durfte.

Was konntest du für dich aus dem Projekt mitnehmen?

Als sehr inspirierend empfand ich es, durch die Zusammenarbeit mehr über die jeweiligen sakralen Lieder zu erfahren, mich von den Gesängen inspirieren zu lassen und somit Neues dazuzulernen.

Gibt es ein Folgeprojekt?

Momentan ist kein Folgeprojekt in Aussicht. Falls doch, werde ich alle Interessierten auf alle Fälle über meine webseite (www.sarahego.de) und Facebook-Fanseite (www.facebook.com/OfficialSarahEgo) auf dem Laufenden halten.

Du warst im Herbst 2013 auch in einer Castingshow zu sehen. Was konntest du für dich aus diesem Auftritt mitnehmen?

Ich habe durch die Teilnahme an „The Voice of Germany“ eine Menge dazugelernt. Vor allem auch dadurch, dass ich einen Blick hinter die Kulissen werfen konnte. Ich habe sehr viele musikbegeisterte Leute kennengelernt und auch mehr über mich als Sängerin erfahren.

Welche Ziele und Visionen hast du für die Zukunft?

Ich hoffe, dass ich eines Tages meinen Wunsch, Sängerin zu werden, verwirklichen kann.


Liebe Sarah, vielen Dank für dieses interessante und offene Interview. Die Schulgemeinschaft des PG wünscht dir für deine private und berufliche Zukunft das Beste.

 

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